
Wie fühle ich mich in der Dialysezeit?
Es gibt Patienten, die kommen mit der Dialysezeit gut zurecht. Manche können oder wollen davor sogar noch arbeiten. Das sind oft jüngere, die haben noch Reserven.
Frauen lesen an der Maschine gern Bücher und einige Patienten haben ein Pad dabei und streamen Filme oder sehen fern.
Aber die meisten schlafen während dieser Zeit und sind müde.
In den 10 Jahren war ich oft müde, nicht leistungsfähig, hatte ein dünnes Nervenkostüm und leider strengte mich auch Soziales viel an. Stundenlanger Besuch oder lautes Feiern war für mich furchtbar, danach war ich total kaputt und nicht mehr aufnahmefähig. Manchmal musste ich für eine Pause eine halbe Stunde nach draußen gehen. Dazu kam dann immer noch das Problem mit der max. Trinkmenge. Wenn dann Unmengen Getränke vor deiner Nase stehen und alle Gäste sich die schönsten Sachen hineinschütten, ist das wie Folter. Hart zu bleiben erfordert da extreme Disziplin. Was das wirklich heißt, kann nur ein Dialysepatient verstehen.
Tipp: Macht über den Tag mehrere Pausen auf dem Sofa, um neue Kraft zu schöpfen, das hilft wirklich, vor allem sonntags, wenn der Giftstoffpegel im Blut noch höher ist. Der Körper kann die Anstrengungen einfach nicht mehr so ausgleichen, wie früher. Wichtig ist auch, nach der Dialyse nicht in die pralle Sonne zu gehen, gut zu essen und sich nicht zu übernehmen.
Noch einmal zur Dialysezeit selbst. Man kann natürlich während der Dialyse nur dasitzen und sich sagen:
„Ich habe echt die Schnauze voll. Geht mir bloß alle nicht auf den Wecker!“
Solche Leute habe ich oft gesehen, meist ältere Männer. Man kann aber auch versuchen mit anderen Patienten ins Gespräch zu kommen. Viele sind muffig und wollen bloß nicht genervt werden. Andere aber sind total froh über ein paar nette Worte. Im Laufe der vielen Zeit entwickeln sich Bekanntschaften. Und das ist eigentlich wichtig! Denn viele Patienten wohnen allein zu Haus, haben niemanden, mit dem sie in dieser Situation reden können und die sie verstehen. Und hier gibt es auch die Möglichkeit sich auszutauschen, mal nach der Familie zu fragen und den alltäglichen Problemen. Und dann sind da noch die meist sehr netten Schwestern und Pfleger. Die hören auch gern zu und erzählen manchmal auch etwas von sich. Nach den vielen Jahren Dialyse, war das schon fast wie meine zweite Familie.
Ihr habt es in der Hand! Gespräche machen die Dialyse um einiges angenehmer.
Übrigens habe ich es am Anfang immer ein wenig wie zur Arbeit gehen angesehen. Ob ich nun die ganze Woche 8 Stunden auf der Arbeit rumschufte oder ich 3x die Woche an der Maschine hänge- die Zeit ist so oder so hin. Bei Rentnern ist das natürlich anders. Aber noch mal: die Dialyse verlängert unser Leben!