Ernährung – alles ist anders

Ihr dürft fast alles essen, die Dosis macht das Gift!

Über die Ernährung an der Dialyse gibt es viele Abhandlungen und Bücher. Habe ich alle gelesen. Danach habe ich gedacht, eigentlich darf man nach den Büchern gar nichts mehr essen oder trinken. Wie soll das gehen? Es geht. Irgendwann merkt man, wie es funktioniert und was ernährungstechnisch wirklich wichtig ist.

Das Schöne ist, wenn man so krank ist, wollen einem alle helfen und schenken einem Unmengen gesunde Säfte. Sehr schön. Aber leider ist jetzt alles anders als früher. Die Zeit der Säfte ist vorbei.

Im Obst und Gemüse ist nun einmal viel Kalium integriert, was eigentlich gut ist. Nur in unserem Fall ist das schlecht.

Zuviel Kalium im Blut ergibt eine Vergiftung und kann im Ernstfall zum Herzstillstand führen- also Schluss mit lustig.

Das heißt: Gemüse und Obst nur in geringen! Mengen zu sich nehmen. Klingt blöd, ist aber so. Man sagt, nicht mehr essen, als in eine Hand passt.

Wichtig ist: ihr könnt fast alles essen, die Dosis macht das Gift!

Es gibt dazu Online- Tabellen zum Nachlesen der Werte. Links habe ich angegliedert.

Sehr hohe Kaliumwerte haben u.a. Lakritze, alle pazifischen und südamerikanischen eingeflogenen Obstsorten- wie Granatäpfel, Papaya oder so-, Trockenobst, Kiwis, Bananen, Nüsse, Pilze, Kakao- also auch dunkle Schokolade- und manchmal auch Hustensaft. Am besten weglassen, wenn es irgendwie geht, zumal sich über den Tag doch einiges summiert. Rote Paprika, Linsen, Haferflocken, Hülsenfrüchte, Möhren und alle Kohlsorten oder schwarze Johannisbeeren sind auch gefährlich, also nur wenig davon essen.

Die Kartoffeln sollte man 2x wässern, dann geht auch das. Alles andere in Maßen, also etwa eine Handvoll.

Witzigerweise hat meist rotes Obst immer etwas mehr Kalium.

Am wenigsten von allem Obst und Gemüse haben Heidelbeeren und die Gurke.

Wenn man merkt, dass man vielleicht zu viel Kalium zu sich genommen hat- typische Symptome sind Durchfall, Erbrechen oder Krämpfe/ Steifigkeit in den Muskeln- dann gibt es dafür als Notfall ein „Antikaliumsack“ den man in ein Wasserglas einrühren und trinken kann. Das Kalium geht mit dem Medikament eine chemische Verbindung ein und wird über den Darm ausgeschieden. In schlimmen Fällen natürlich schnell ins Krankenhaus!

Man kann das „Antikalium“   natürlich auch kurz nach einem kaliumreichen Essen einnehmen, um es gleich wieder herauszufiltern. Aber das wollen wir doch lieber vermeiden.

Ich kenne einen Fall, da ist jemand in den Urlaub gefahren, hat dort gleich im Restaurant ordentlich Gemüse gegessen und ist dann ins Krankenhaus eingeliefert worden mit Kaliumvergiftung. Sie kam gleich auf den Tisch mit Herzstillstand.

Da lag sie dann im Klinikum, die ganzen zwei Urlaubswochen, aber immerhin konnten die Ärzte sie noch retten. Also Vorsicht!

https://www.eucell.de/ernaehrung/ernaehrungslexikon/mineralstoffe/kalium/lebensmittel

https://www.vitalstoff-lexikon.de/Mineralstoffe/Kalium/Lebensmittel

Und dann haben wir noch das Problem mit dem Phosphat. Ist zu viel Phosphat im Körper,

verkalken die Gefäße schneller und die Knochenfestigkeit leidet stark.

Das bedeutet wiederum, dass wir auch da aufpassen müssen.

Milchprodukte sind phosphatlastig. Auch Fleisch, Fisch, alles, wo viel Eiweiß integriert ist (ist aber wichtig), Hülsenfrüchte, Cola, Schmelzkäse sowie Wurst und Käse haben viel Phosphat.

So gibt es für das Essen so genannte „Phosphatbinder“. Die gibt es als große Tabletten oder als Pulver. Beides sollte dann passend zum jeweiligen Essen eingenommen werden.

Also bei Obst und Gemüse natürlich nichts, aber bei Fleisch und Fisch und Käse sollten dann etwa je 2-3 Tabletten zusätzlich zum Essen genommen werden. Dafür gibt es natürlich auch eine Einnahmeanweisung, muss aber an das jeweilige Essen und an den Patienten angepasst werden.

Die Blutwerte zeigen euch, wo ihr mit dem Phosphat und dem Kalium steht und wie ihr euch verbessern könnt.

Ein typisches Anzeichen für einen zu hohen Phosphatspiegel ist ein Ganzkörperjucken,  das sich aber auch zeigen kann, wenn man zu kurz dialysiert wurde.

Wichtig ist aber auch, dass ihr genügend Eiweiß zu euch nehmt, was natürlich kontraproduktiv zum Phosphatspiegel ist. Aber leider kommt ihr nicht daran vorbei.

Denn die Dialysemaschine zieht technisch bedingt leider auch einen Teil des Körpereiweißes ab.

So ist es immer so eine Art Kampf gegen die Maschine. Ihr esst ein Schnitzel oder einen schönen Fisch und die Dialysemaschine zieht einen Teil des Eiweißes davon wieder heraus.

Da ist es schwierig, den Eiweißspiegel in einem guten Bereich zu halten.

Hauptsächlich ältere Menschen sind von dem Problem betroffen, weil in dem Alter nicht mehr soviel gegessen wird.

https://www.vitalstoff-lexikon.de/Mineralstoffe/Phosphor/Lebensmittel

Der Wasserhaushalt ist für viele Patienten das schwierigste Thema überhaupt an der Dialyse.

Man darf als Patient ohne Restausscheidung leider nur 0,75- 1,0 Liter Flüssigkeit pro Tag zu sich nehmen. Das geht eigentlich gar nicht. Die meisten Patienten waren über längere Zeit nierenkrank und sollten vorher am Tag 3 Liter trinken. Und dann der Schock.

Aber es ist machbar! Wirklich, ihr könnt das schaffen! Mit Disziplin!

Es ist so. Das Wasser sammelt sich im Körper an. Wenn man nicht zu viel trinkt, kommt damit der Körper zurecht. Viele Patienten schaffen das nicht. Dann gibt’s Probleme.

Das Herz muss mehr pumpen, die Gefäße verkalken schneller, das Wasser sammelt sich an. Zuerst werden die Beine dick (bei  ca. 0,5- 2Liter über Normal- Trockengewicht), manche Patienten bekommen so eine Art Wasserbauch (so bei 2- 3 Liter- also wie in zwei große Fanta- Flaschen- über Trockengewicht). Und bei den Härtefällen sammelt sich das Wasser dann irgendwann in der Lunge (so ab 2 – 8 Liter! – also so viel, wie in einem kleinen Eimer Wasser hinein passt). Dann bekommt man im Liegen keine Luft mehr, man hat die so genannte „Luftnot“. Liegend breitet sich das Wasser in den Lungenflügeln aus und man kann nicht mehr atmen, man „blubbert“, man ersäuft geradezu. Dann heißt es im Sitzen schlafen!

Beim Nephrologen oder im Krankenhaus wird dann dem Patienten eine ca. 30 cm lange Nadel in die Lungenflügel gesetzt und so das Wasser abgezogen. Das hat natürlich auch Risiken. Und die Aktion selbst ist auch nicht der Hit.

Fazit: Versucht euch zusammenzureißen, auch wenn es furchtbar schwer ist und versucht, nicht zu viel zu trinken! Ihr schadet euch nur selbst! Tipps dazu gibt es weiter unten.

Noch eine Erklärung zum Trockengewicht. Das Trockengewicht wird am Anfang der Dialysezeit „gesucht“. Über Messungen wird herausgefunden, wie hoch der normale Wasseranteil im Körper sein soll. Das ergibt dann das angestrebte Trocken- Körpergewicht auf der Waage. Denn vor und nach der Dialyse muss sich immer gewogen werden, damit man weiß, wie viel Wasser aus dem Körper gezogen werden soll. Alles, was über das Trockengewicht auf der Waage angezeigt wird, muss dann über die Dialyse herausgezogen werden.

Durch verschiedene Umstände verschiebt sich leider das Trockengewicht. Ursachen können sein: Gewicht abgenommen, zu viel Sport getrieben oder zu viel im Sommer ausgeschwitzt, zugenommen oder eine andere Kleidung als sonst auf der Waage- also immer etwas Ähnliches anziehen, sonst wird das Ergebnis verfälscht!

Dann hat man plötzlich zu viel oder zu wenig Wasser im Körper und weiß nicht warum. Nun muss man das Trockengewicht wieder anpassen.

Übrigens, wenn man zu wenig Wasser im Körper hat, gibt es meistens Waden- oder Bauchkrämpfe, oft im Liegen, nachts, weil sich das Wasser da natürlich verteilt und weniger an den Füßen ankommt. Krämpfe können auch mal bei der Dialyse auftreten. Dazu gleich.

Wenn der Körper zu „trocken“ ist, kann das auch zu einem Shuntverschluss führen. Das wäre gefährlich. Das muss dann sofort operiert werden!

Tipp: Wenn man etwas Gewicht zugelegt hat, weiß das die Dialysemaschine nicht. Die zieht gnadenlos das Wasser, was ihr eingegeben wurde. Dann ist man plötzlich zu trocken und bekommt Krämpfe. – Nix Magnesiummangel!

In diesem Fall heißt es, der Dialyseschwester sofort Bescheid zu geben, um das Wasserziehen sofort zu stoppen, ein Glas Wasser trinken zum Ausgleich und das Gewicht um 0,5 kg in der Akte hoch setzen lassen.

Wenn man merkt, man hat dicke Beine, dann sagt man der Dialyseschwester, sie möchte bitte 0,5 Liter mehr Wasser als sonst ziehen. Ist am Schluss der Dialyse kein Wasser mehr in den Beinen, muss dementsprechend das Trockengewicht in der Akte nach unten korrigiert werden.

Das passiert leider öfter. So ist eben das Leben, immer ein Hoch und Runter.

Ein weiter Tipp: Kontrolliert lieber eure von der Dialysekraft eingestellte zu ziehende Wassermenge selbst anhand des Protokolls und des Monitors der Maschine noch einmal nach. Klingt doof, ist es aber nicht. Bei dem täglichen Stress, kann es auch den besten Dialyseschwestern mal passieren, dass sie zu viel oder zu wenig eingestellt haben.

Entweder kann zu viel Wasser im Blut zurück bleiben, dann dürft ihr in den nächsten 2 Tagen noch weniger trinken oder aber es kommt zu Krämpfen, wenn zu viel gezogen wurde, auch gefährlich.

Bei einem Mengen- Unterschied solltet ihr dann ruhig fragen, warum das so eingestellt wurde.

Manchmal wurde das auch aufgrund einer Entscheidung der Ärztin oder des Arztes nachjustiert.

Wie schaffe ich es, nicht so viel zu trinken?

An der Frage habe ich jahrelang gearbeitet.

Es gibt im Netz darüber viele Antworten.

Da ich von über 80 Dialysepatienten bei uns wohl einer der Wenigen war, die die Trinkmenge einhalten konnten, kann ich euch sagen, was mir gut geholfen hat.

Meine Tipps:

  1. Ablenkung. Am besten sucht man sich ein Hobby oder Haus- oder Gartenarbeit. Da ist man abgelenkt und denkt nicht ans Trinken.
  2. Keine Flaschen herum stehen lassen und daraus trinken. Sonst hat man keinen Überblick mehr, wenn das „Trinken“ sozusagen immer direkt vor der Nase herumsteht und schreit: „Trink mich!“. Also alles wegräumen!
  3. Trinkt eine kleine Tasse Tee morgens und abends. (Kaffee macht leider auch unheimlich durstig)
  4. Niemals große Tassen und Gläser verwenden!
  5. Gegen Durst soll Zitronenscheiben- Lutschen helfen, ist teilweise hilfreich, finde ich.
  6. Das Essen sollte kein Salz enthalten. Das Salz wird im Körper gespeichert und ein paar Stunden später könntet ihr einen Eimer aussaufen.
  7. Möglichst wenig würzen! Das gleiche Problem in grün.
  8. Zuckerhaltige Säfte und Brause wie z. B. Fanta solltet ihr nur wenig zu euch nehmen, denn das macht auch ordentlich Durst.
  9. Ideal ist Wasser trinken ohne! Sprudel oder ungesüßter Tee. Alles andere macht leider Durst, auch Bier. Aber Alkohol ist sowieso nicht gut, verträgt sich schlecht mit den Tabletten. So bleibt irgendwie kaum noch ein Getränk über.

            Das hat mich echt genervt!

Vorsicht!

Feiern können sehr gefährlich werden. Alles um einen herum schüttet sich die tollsten Getränke einfach nur so hinein. Die Flaschen stehen überall und locken euch permanent und das Essen ist auch noch gut gewürzt und gesalzen. Schlimmer geht nicht- die reinste Folter für einen Dialysepatienten! Da muss man sich eisern zusammenreißen. Selbst die Besten haben damit zu kämpfen.

So kommt es, dass bei Feiern schon viele abgestürzt sind und dann zur Dialyse auch mal 3 Liter über Normal mit auf die Waage gebracht haben. Das macht es für das Herz nicht gerade einfach, wenn in so kurzer Zeit so viel Wasser aus dem Körper gezogen wird. Das kann auch gefährlich werden.

Also noch einmal: Versucht euch mit dem Trinken irgendwie zusammenzureißen, auch wenn es schwer ist. 

Das Wichtigste noch einmal zusammengefasst: 

  • nur 4 kleine Tassen Flüssigkeit pro Tag (+ Ausscheidungsmenge)
  • wenig Obst und Gemüse- möglichst keine Bananen, Kiwis, Nüsse oder Trockenobst
  • zum Fleisch, Fisch oder den Eiern Phosphatbinder einnehmen
  • ordentlich Eiweiß essen
  • salziges und gewürztes Essen sowie zuckerhaltige süße Getränke meiden.  
  • Dann wird das schon!