Nierentransplantation- Die lange Wartezeit

Transplantation in Deutschland

Im Laufe der vielen Jahre an der Dialyse war ich oft mit meinem Hund unterwegs. Und wann man gegen 11.00 Uhr durch die Stadt geht, trifft man natürlich auch verschiedene Menschen und manchmal kommt man auch ins Gespräch. Schnell bin ich wegen der komischen Uhrzeit, bei der man eigentlich auf der Arbeit sein sollte, auf meine Krankheitsgeschichte gekommen, so eher als Entschuldigung.

Ratet mal, welche Frage immer am Anfang kam! Ja, richtig!

„Und, stehen Sie schon auf der Liste?“

Tja, schon war der Tag wieder gelaufen. Denn wenn man weiß, dass die Wartezeit auf ein Spenderorgan in Deutschland momentan bei etwa 9- 12 Jahren liegt und dass eigentlich kaum jemand in Deutschland seine Organe spenden möchte, aber im Ernstfall jeder eins haben möchte, dann ist das schon hart.

Die Wartezeiten der anderen Euro-Staaten liegen übrigens etwa zwischen 2- 3 Jahren in Österreich und 5 – 6 Jahren in Tschechien. Selbst die Ukraine hat nur eine Wartezeit von 4 Jahren, das ist echt traurig für so ein reiches Land, wie Deutschland.

Deutschland steht bei der Wartezeit auf Organtransplantationen damit auf einem der letzten Plätze in ganz Europa. Die 2020 vorgeschlagene Widerspruchslösung, bei der man automatisch Organspender ist und man eine Ablehnung bekannt geben muss, wie es in vielen anderen Staaten durchgeführt wird, ist vom Bundestag abgelehnt worden.

Vielleicht ändert sich das noch einmal, man kann es nur hoffen. Schließlich stehen jedes Jahr wegen dieser Entscheidung viele Leben auf dem Spiel.

Nach Gesprächen mit vielen Ärzten, wäre ein anderer Grund, warum in Deutschland nur so wenig Transplantationen vollzogen werden, dass es in deutschen Kliniken keinen dafür extra zuständigen Arzt gibt, der hauptsächlich das Thema Transplantationen und Organentnahmen bearbeitet. Aus Gründen des Ärztemangels, hat man in den Krankenhäusern kaum Zeit, sich auch noch um dieses Thema ausgiebig kümmern zu können. Somit werden zusätzlich viele Chancen für Organentnahmen vertan.

Zu diesem Thema kenne ich persönlich einen Fall. 

Da ist ein junges Mädchen nach Österreich gezogen, hat dort 2 Jahre gearbeitet, wurde dann nierentransplantiert und kam ein Jahr später wieder zurück nach Hause.

So kann man es natürlich auch machen, ist aber ethisch gesehen, gegenüber allen anderen wartenden deutschen Dialysepatienten, schon grenzwertig. Andererseits war das Mädchen gerade mal 20 Jahre alt und hatte noch ihr ganzes Leben vor sich. Kann man sie da verurteilen?  

Vorbereitung auf eine mögliche Nierentransplantation   

Um als Dialysepatient auf die Transplantationsliste gesetzt werden zu können,

muss zuvor viel erledigt werden.

Zuerst gibt es ein persönliches Gespräch mit der zuständigen Transplantations- Beauftragten bzw. ihrem Kollegen in der nächstliegenden Transplantations- Klinik.

Wenn aus ethischer Sicht nichts dagegen spricht und man einer möglichen Nierentransplantation zustimmt, kann der Wahnsinn losgehen.

Meine Nephrologin sagte mir einmal: „ Dafür muss vorher in jedes Loch gesehen werden!“ Und damit traf sie es genau auf den Punkt.

Man bekommt zur Abklärung der Risikofaktoren eine Ärzteliste, die gefühlt länger als mein Arm ist, und arbeitet jede Untersuchung, Arzt für Arzt, ab. Das kann schon ein knappes Jahr dauern, wenn man nicht gleich einen Termin bekommt.

Sofern wirklich alle Untersuchungen ohne ungünstige Befunde, die gegen eine Transplantation sprechen, gemacht worden sind, gibt es das „Go“ oder besser den Vermerk „transplantabel“ auf der Warteliste. Dann geht das Warten und Hoffen los.

Meistens zieht sich die Wartezeit auf eine neue Niere aber über viele Jahre hin, dann müssen die ganzen Untersuchungen in bestimmten Abständen wiederholt werden, jedes Mal mit der Angst, dass nicht doch noch etwas Negatives gefunden wird.

So bleibt man immer in Bewegung.

Übrigens, im Falle eines zufälligen Krebsbefundes, der behandelt und geheilt werden konnte, bekommt man ab diesem Zeitpunkt aus Rückfall- Sicherheitsgründen zusätzlich noch einmal 5 Jahre bei der Wartezeit dazu gerechnet, falls man auf der Warteliste ganz oben, kurz vor einer möglichen Transplantation stehen sollte, da die späteren Immunsuppressiva ein erneutes Ausbrechen des Krebses begünstigen könnten.

Aber seid nicht nur auf eine eventuelle Transplantation fixiert, das macht euch bloß depressiv und ihr vergesst das Leben. Man lebt nun einmal im „Jetzt“ und was in 10 Jahren ist, weiß niemand. 

Versucht euch bis dahin, ein einigermaßen angenehmes Leben zu gestalten. Jeder Tag ist ein geschenkter Tag. 

Auf die Transplantation habt ihr keinen Einfluss und natürlich hat es auch etwas mit Glück zu tun, es sei denn, ihr bekommt eine Lebendspende, die für den Spender allerdings auch mal ungünstig verlaufen kann.

In meiner lange Zeit an der Dialyse war ich oft im Urlaub, habe mich um den Hund, das Haus und den Haushalt gekümmert und habe versucht, aus der schwierigen Situation das Beste zu machen, obwohl ich während meiner Dialysezeit insgesamt zehn teils sehr schwere, kräftezehrende Operationen über mich ergehen lassen musste. Das Wort „Aufgeben“ gab es einfach nicht.

Als ich dann plötzlich die Nachricht für die Transplantation bekam, war das für mich unfassbar. Es war mehr, als ein 6er im Lotto. Ich habe ein neues Leben gewonnen. Und das werde ich, solange die neue Niere funktioniert, auch voll ausnutzen müssen.

Ich hoffe für jeden einzelnen von euch, dass ihr auch einmal dieses Glück haben werdet.

https://www.transplantation-verstehen.de/organe/niere