Alles zur Dialyse

Die Niere

Die Niere ist ein extrem komplexes Organ, das total unterschätzt wird.

Sie ist nicht nur für die Filterung des Blutes von Giften und Schadstoffen zuständig, sondern

auch für den Wasserhaushalt des Körpers. Damit ist sie zum Teil auch für den Blutdruck verantwortlich.

Außerdem arbeitet ein Teil von ihr auch an der Blutbildung und an anderen chemischen Prozessen im Körper mit.

Typische Krankheiten, die zur Dialyse führen

Der Weg zur Dialyse kann sehr verschieden sein.

Meistens verschlechtern sich die Nierenwerte langsam, über Jahre. Manche Patienten sind erblich vorbelastet und entwickeln Nierenkrankheiten. Manche verlieren ihre Nieren nach einer Operation bei Organversagen oder durch Unfälle. Wenige Patienten verlieren ihre Nieren durch Nierenkrebs, so wie ich oder aber durch Kontrastmittel vor radiologischen Untersuchungen.

Und leider viele Patienten verlieren ihre Nieren durch falsche Pflichterfüllung bei der Arbeit.

„Man muss funktionieren“ sagen sie sich. Und dann nehmen sie über Jahre wegen der Rückenschmerzen oder anderen Schmerzen hohen Dosen Schmerzmittel ein, bis die Nieren nicht mehr können. Ich habe schon viele Patienten getroffen, die so an die Dialyse kamen. Traurig.

Das Dialysezentrum

Wenn man an die Maschine muss, überweist euch der Hausarzt oder die Hausärztin bzw. meist eure Nephrologin oder euer Nephrologe an das nächstliegende Dialysezentrum.

Tipp! Falls es in der Region allerdings noch andere Dialysezentren geben sollte, wie z.B. in Großstädten, wäre es ratsam, sich diese einmal vorher anzusehen.

Es gibt da nämlich einige Unterschiede.

Erstens die Aufteilung der Dialysezimmer, sind es kleine oder riesige unpersönliche Räume?

Wie ist das Pflegepersonal? Was sagen die Patienten, auch zu den behandelnden Ärzten? Wie ist das Essen- wichtig! Gibt es nur Schnittchen oder schon Brötchen oder sogar mit einem Zuschuss sogar warmes Essen? Das kommt heutzutage aber leider nur noch sehr selten vor. In Mecklenburg- Vorpommern z.B..

Das hängt leider damit zusammen, dass die Krankenkassen seit Ewigkeiten- obwohl sich alles sehr verteuerte- den Dialysesatz immer noch nicht ordentlich nach oben setzte.

Und, gibt es Fernsehen per Kopfhöreranschluss? Ohne nervt natürlich, wegen der Lautstärke. Dazu ist heutzutage natürlich WLAN wichtig.

Denkt daran, ihr seid in der Dialyse etwa 3x die Woche jedes Mal zwischen 3,5 und 5,5 Stunden mit Abnahme. Die Dialyse wird sozusagen euer zweites Zuhause und das Personal manchmal nach Jahren fast zur Familie.

 Die Dialyse/ Blutwäsche          

Bei der Dialyse/ Blutwäsche wird das Blut mithilfe von einem Körperanschluss mittels Schlauchsystem an eine Dialysemaschine angeschlossen und mehre Male die Stunde gefiltert.

Dabei wird das Blut für den Moment!! über verschiedene Filter- und  Osmoseverfahren von den meisten anfallenden Giftstoffen im Körper befreit.

Somit können bei einem guten Blutfluss von meist 200- 350 ml/min ca. 70- 100 Liter Blut, je nach notwendiger Filterung, gewaschen werden.

Als Zusatzfunktion, aber sehr wichtig, wird bei der Dialyse das überschüssige Wasser aus dem Körper gezogen. Dies kann je nach Lebensweise des Patienten zwischen 500 ml und 6 !!! Liter je Sitzung betragen. Letzteres ist bei Patienten der Fall, die es einfach nicht schaffen, ihre leider nur ein Liter am Tag zu trinken und sich dementsprechend die Flüssigkeiten nur so in sich hineinkippen. Das wird sehr gefährlich.

Dazu komme ich unter „Ernährung“ noch einmal.

Es gibt meist 3 Dialyseschichten: früh, mittags, abends. In Großstädten auch manchmal nachts. Diese gibt es Montag/ Mittwoch/ Freitag.

In der Dienstag/ Donnerstag/ Samstag- Schicht gibt es meistens nur die Frühschicht.

Typische Anzeichen einer zu kurzen oder schlechten Dialyse sind: starke Müdigkeit, Hautjucken oder manchmal auch zappelnde Beine, da sich die tägliche Vergiftung auch auf das Nervensystem auswirkt.

Die Dialysemöglichkeiten

Man unterscheidet zwischen der normalen Hämodialyse (HD), der Hämodiafiltration (HDF)- die zusätzlich noch andere Moleküle entfernt und der Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse).

Es gibt heutzutage 3 verschiedene Dialysemöglichkeiten:

Dialyse über einen Cimino- Shunt am Arm/ Hämodialyse

Die Hämodialyse per Shunt- Anschluss ist die am meisten genutzte Form und die Version mit den besten Überlebenschancen. Bei dieser Art muss ein Shunt am Arm angelegt werden.

Die OP wird in den meisten Fällen von einem Gefäßspezialisten im Shunt- Zentrum der Region vollzogen.

Dabei wird eine der beiden Hauptarterien des Armes entweder am Unter- oder am Oberarm auf eine Vene operiert. Also ein Kurzschluss, die oft benannte Fistel. Diese muss funktionsbedingt „schwirren“ bzw. vibrieren, wenn man seinen Finger der anderen Hand vorsichtig darauf legt.

Es kann vorkommen, dass die für die OP ausgesuchte Vene zu tief im Arm- Gewebe liegt. Dann muss sie „vorverlagert“ werden.

Nach der erfolgreichen Operation braucht der Shunt etwa 4- 8 Wochen, bis sich die Shunt- Vene soweit erweitert hat, dass man sie jeweils mit 2 Nadeln punktieren  kann.

Dafür gibt es 3 Punktions- Versionen.

Die Strickleiter- Variante, die die ganze Länge des Shunts ausnutzt, die Areal- Punktion, bei der immer die gleichen Bereiche punktiert werden, sich aber später Beulen bilden können und die eher seltene Knopfloch- Punktion. Dabei wird immer an der gleichen Stelle punktiert.

Da der Shunt so lange wie möglich funktionieren sollte, scheint wegen der immer wieder neuen Armpunktionen der Unterarm- Shunt günstiger zu sein, da die Punktionsstrecke um Einiges länger ist. Weil er aber weiter vom Körper entfernt ist und die Blutgefäße dort meist dünner sind, kann es schon mal zu Verstopfungen des Shunts kommen. In diesem Fall schwirrt der Shunt nicht mehr. Dann sollte schnellstens ein Gefäßchirurg! aufgesucht werden, der ihn wieder frei „putzen“ kann, damit der Shunt nicht irreversibel, also für immer verschlossen bleibt. Sonst heißt es – Neuer Shunt! Merken!!

Das Shunt- Prinzip ist sehr funktionell aber nicht unbedingt ideal, da nun das Herz zusätzlich gegen dieses zusätzlich zurückfließende Blut ankämpfen muss.

Darum sind laufende kardiologische Untersuchungen ein Muss.

Vorteile des Shunts: Kein Schlauch, der außen hängt. Man kann Schwimmen, Duschen ohne Probleme. Kaum Entzündungen. Durch den hohen Blutfluss wird das Blut auf das technisch Möglichste gereinigt, so dass dementsprechend viele Giftstoffe heraus gewaschen werden können.

Nachteile des Shunts: Die Gefäße können sich auch mal, meist bei jüngeren Patienten, bei denen sich noch nicht allzu viel Kalk in den Gefäßen abgelagert hat, stark erweitern, sieht nicht unbedingt schön aus. Aber was will man machen.

Wichtig ist schließlich: Laufen muss er!

Er ist letzten Endes eure Lebensader!

Tipp! Manchmal gerät man an eine Dialysekraft, bei der man merkt, dass sie Probleme beim Punktieren hat, und das kann furchtbar wehtun. Falls ihr Angst vor ihr haben solltet, könnt ihr eine andere Dialyseschwester höflich darum bitten, euch zu punktieren. Nicht jeder Shunt passt zu jeder Schwester. Das hängt damit zusammen, dass die Punktionen bei jedem Patienten anders und manchmal sehr kompliziert sein können.

Bei den völlig verschiedenen Shunts, braucht man echt Talent, eine gute Ausbildung und ein Gefühl dafür. Also habt Verständnis!

Die ersten 3 Monate schmerzt es noch, aber im Laufe der Zeit wird es besser.

Falls der Shunt noch neu sein sollte, testet ihn immer mal wieder, ob er noch „schwirrt“ und vibriert. Wenn er das nämlich nicht mehr machen sollte, müsst ihr sofort ins Klinikum!

Und Vorsicht! Denkt immer daran, euren Shunt gut zu pflegen und zu schützen! 

Ihr braucht ihn zum Überleben! 

Als ich an einem schönen sonnigen Oktobertag vor 4 Jahren im Garten, einen meiner 3 m- hohen Büsche auf der Leiter stehend mit der Gartenschere beschnitt, drehte sich plötzlich die Leiter und ich fiel in die schon abgeschnittenen spitzen Äste. Ich konnte mich einigermaßen festhalten und mich langsam nach unten bewegen.

Und dann der Schock! Ich stellte fest, dass ein Ast meinen Shunt durch den Pullover getroffen hatte, aber glücklicherweise nicht tief eingedrungen war. Im Fall des Falles wäre ich wahrscheinlich innerhalb von wenigen Minuten vor Ort verblutet, da ich allein im Garten war.

So bin ich dem Tod das 2. Mal von der Schippe gesprungen.

Anscheinend hat mein Schöpfer noch ein paar Aufgaben für mich auf dieser Welt. Und eine werde ich mit dieser Internetseite erfüllen.

Also schützt euren Shunt!

Die Bauchfelldialyse/ Peritonealdialyse

Bei der Bauchfelldialyse bekommt man einen Schlauch mit Anschluss in den Bauch verlegt.

Dieser Schlauch wird bei der Dialyse an ein kleineres Dialysegerät angeschlossen. Mit Hilfe von Dialyseflüssigkeitsbeuteln werden die Giftstoffe  aus dem Blut gewaschen.

Man kann diese Form der Dialyse auch zu Hause machen. Dann braucht man einen besonderen, dafür hergerichteten medizinisch sauberen Raum. Es muss auch genügend Platz vorhanden sein, um die zu bestellenden Dialyseflüssigkeitsbeutel lagern zu können.

Der größte Vorteil ist, dass man diese Dialyseart tagsüber aber auch nachts machen kann.

Es gibt sogar knallharte Typen, die haben ihr Wohnmobil dazu umgebaut, um durch die Welt reisen zu können- ist aber nicht ganz ungefährlich, wegen der peniblen Hygiene.

Aber alles hat auch seine Nachteile.

So kann sich das Bauchfell entzünden, was manchmal vorkommt.

Dazu hat man diesen Bauchanschluss, der beim Duschen abgeklebt werden muss.

Des Weiteren hält ein Bauchfell, nach meinen Erfahrungen, in den meisten Fällen so zwischen 4 und 7 Jahre, dann ist es nicht mehr funktionell und man muss an die große Hämodialyse- Maschine.

Die Bauchfelldialyse eignet sich für Patienten, die ihre Zeit individuell nutzen möchten oder schon etwas älter sind, da die Wartezeit auf eine neue Niere für Patienten ab 65 Jahren in Deutschland nicht so lang ist, wie bei jüngeren. (Spezial- Transplantationsprogramm: Old for Old)

Dialyse über Dialysekatheder/ Hämodialyse

Für diese Form der Dialyse entscheiden sich meistens ältere Frauen oder Patienten, bei denen noch kein Arm- Shunt- Anschluss operiert wurde oder funktionell ist.

Dabei wird während einer meist ambulanten Operation ein zweiadriger Schlauch (Doppel-Katheder) in Höhe des Schlüsselbeins in eine Halsvene eingelegt.

Der Anschluss selbst hängt wie bei der Bauchfelldialyse etwas heraus, um dort die Dialysemaschine anschließen zu können. Beim Duschen gibt es dafür spezielle Duschpflaster.

Im normalen Leben fällt der Schlauch natürlich kaum auf, da er unter dem Pullover oder der Bluse getragen wird. Es gibt auch keine Aussackungen und dicke Gefäße, wie bei einem Shunt.

Leider sind diese Dialysekatheder nicht sehr effektiv, da die durchlaufende Blutmenge nur einen Teil der eines Arm- Shunts erlaubt. Dazu kommt, dass die dünnen Schläuche immer wieder gern verstopfen. Dann kann mitunter nur eine Seite des Katheders genutzt werden, dass die Effektivität der Blutwäsche noch weiter einschränkt. In vielen Fällen kann man durch Spülung mit Actilyse die verstopften Schläuche noch einmal retten.

Im Ernstfall muss im Krankenhaus ein neuer Katheder gelegt werden.

Durch den Daueranschluss kann es leider auch mal zu Entzündungen kommen.

Manche Katheder halten mehrere Jahre, manche nur ein Jahr. Warum das so ist, kann viele Ursachen haben. Manchmal reicht schon eine ungünstige Bewegung im Bett aus, das Blut ist zu dick oder eine Spülung nach der Dialyse war zu wenig. Aber da steckt man eben nicht drin.

In vielen Fällen wird diese Dialysemethode nur am Anfang der Dialysezeit verwendet, bis der Shunt „gereift“ ist.